Was ist ein Tagessatz?

Im Strafrecht werden Geldstrafen in Tagessätzen berechnet und verhängt, § 40 StGB.Ziel ist es, Menschen mit unterschiedlichem Einkommen im Urteil verhältnismäßig trotzdem gleich zu bestrafen. Demzufolge wird im Urteil die Anzahl der Tagessätze und deren Höhe angegeben. Die Anzahl kann zwischen fünf und höchstens dreihundertsechzig volle Tagessätze betragen.

Die Anzahl der Tagessätze

Die Anzahl der abgeurteilten Tagessätze bemisst sich nach der individuellen Schuld des Täters. Es bleibt das Einkommen des Angeklagten außer Betracht, so dass die Zahl der Tagessätze bei jedem Täter gleich sein sollte und nur durch die Grundsätze der Strafzumessung gem. § 46 StGB bestimmt wird. So haben sich – regional unterschiedliche – Sätze herausgearbeitet, was einen Beschuldigten im Falle seiner Verurteilung erwartet. So beträgt das Strafmaß in etwa

  • Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, § 113 StGB: 10-40 Tagessätze
  • Hausfriedensbruch, § 123 StGB: bis 15 Tagessätze (Verweisung auf Privatklageweg)
  • Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort, § 142 StGB: (nach Schadenshöhe) 10-50 Tagessätze
  • Beleidigungsdelikte, §§ 185 ff.StGB: 15-20 Tagessätze
  • Körperverletzung, § 223 StGB: 30-60 Tagessätze
  • Nötigung, § 240 StGB: 10-30 Tagessätze
  • Diebstahl, § 242 StGB: (nach Wert des Entwendeten) 5-30 Tagessätze
  • Unterschlagung, § 246 StGB: (geringwertiger Sachen) ab 5 Tagessätze
  • Betrug, § 263 StGB: (geringwertiger Sachen) 5-20 Tagessätze
  • Erschleichen von Leistungen, § 265a StGB: 5-20 Tagessätze
  • Sachbeschädigung, § 303 StGB: (geringer Schaden) 5-20 Tagessätze

Was noch als geringwertig anzusehen ist, wird unterschiedlich beurteilt (häufig bis ca. 50 Euro). Alle Angaben sind als Erfahrungswerte zu verstehen, die im Einzelfall auch erheblich variieren können, insbesondere nach dem Maß der Schuld, von Richter zu Richter, von Gericht zu Gericht, von Bundesland zu Bundesland. Einschlägige Vorstrafen sind erhöhend zu berücksichtigen.

Wie hoch ist ein Tagessatz?

Die Höhe eines Tagessatzes bestimmt sich nach dem individuellen Einkommen – ausgehend vom Nettoeinkommen, also dem Betrag, der monatlich zur Verfügung steht. Teilweise wird hier noch ein Abschlag für den Lebensbedarf vorgenommen, insbesondere wenn die Ehefrau oder die Kinder noch kein eigenes Einkommen haben. Ansonsten gilt:

Monatliches Nettoeinkommen geteilt durch 30 ergibt die Höhe von einem Tagessatz.

Wie man leicht oben sehen kann, ist – bei 30 Tagessätzen – recht schnell ein komplettes Monatseinkommen weg, wobei in der Regel Ratenzahlung gewährt wird. Die Geldstrafe trifft aber jeden Verurteilten (theoretisch) gleich, da die Höhe dem jeweiligen Einkommen angepasst ist.

Eine Ausnahme bildet häufig der Strafbefehl. Ergibt sich aus den Gerichtsakten der Beruf oder das Einkommen des Beschuldigten nicht, wird das Einkommen lediglich geschätzt (§ 40 Abs. 3 StGB).

Wie hoch ein Tagessatz bei Menschen mit geringem Einkommen (z.B. ALG II, Sozialgeld) angesetzt wird, finden Sie hier.


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